Im Beitrag vom 2. Mai habe ich die neuen smarten Brillen von Rokid vorgestellt. Nun konnte ich eine davon in der Praxis testen, die Rokid Neo. Der Bericht zur Brille mit den Displays folgt später.
1. Der erste Eindruck
Als Erstes fiel mir beim Auspacken auf, wie leicht diese Brille ist. Mit knapp 40 Gramm spürt man sie kaum auf der Nase. Im übrigen sieht sie der Ray-Ban Brille sehr ähnlich. Die Bedienelemente und die Anordnung der Kamera und der Lautsprecher in den Bügeln sind praktisch identisch. Leider gibt es die Brille zur Zeit nur in einer Grösse. Doch durch die mitgelieferten unterschiedlich grossen Nasenpads kann der Sitz optimiert werden. Das Aufladen geschieht bei der Rokid Brille nicht via Etui, wie bei der Ray-Ban, sondern mittels eines Ladeports, welcher magnetisch am rechten Brillenbügel angedockt werden kann, was sehr einfach ist. Zudem werden mit der Brille 2 ca. daumengrosse Ladekapseln (Zusatzakkus) mitgeliefert, welche bei Bedarf ebenfalls magnetisch an den rechten Bügel angedockt werden können, womit sich die Betriebsdauer zweimal verlängern lässt. Ebenfalls mitgeliefert wird ein Stoffbeutel sowie ein Etui mit Magnetverschluss, welches sich stabil und hochwertig anfühlt. Doch mein Hauptinteresse gilt natürlich der Leistungdieser Brille.
2. Was kann die Brille
Vieles von dem, was die Meta Brillen vermögen, kann auch die Rokid Brille, so zum Beispiel Fotos und Videos aufnehmen – letzteres sogar in 10 Minuten Länge und in verschiedenen Formaten. Sie kann Bilder und Szenen beschreiben, Texte vorlesen, Produkte und Tastensymbole erklären, Namen auf Klingelbrettern orten und Fragen aller Art beantworten. Man kann zu diesem Zweck wahlweise zwischen Gemini und ChatGPT wählen. Auch Unterhaltungen live in andere Sprachen übersetzen, geht. Und natürlich kann die Brille auch als Headset genutzt werden, zum Musik oder Hörbücher hören oder zum Telefonieren.
Der grösste Nachteil gegenüber der Meta Brille ist, das man mit der Rokid Brille aktuell dieApp Be my Eyes nicht nutzen kann und auch die Whatsapp Videotelefonie über die Brille direkt ist nicht möglich, Somit taugt die Brille nicht für die Fernassistenz via Brillenkamera. Auch eine Live-View gibt es zur Zeit noch nicht.
Auf der anderen Seite kann man mit der Rokid Brille Siri aufrufen und somit sämtliche Sirianweisungen oder Kurzbefehle ausführen. Zudem kann man mit der Brille auch Tonaufnahmen machen, was sehr praktisch istbeispielsweise für die Aufzeichnung von ganzen Vorträgen oder einfach bloss um eine kurze Sprachnotiz festzuhalten. Auch Kalendereinträge und -Abfragen lassen sich mit der Rokid Brille machen. Und gleich wie mit der Meta Brille kann man auch Erinnerungtermine in Auftrag geben. Und schliesslich funktioniert mit der Rokid Brille auch die Navigation. Man kann sich mit Google Maps an ein x-beliebiges Ziel navigieren lassen. Oder mann kann alternativ dazu von der Brille aus Siri beauftragen, die Fussgängernavigation mit der Karten-App zu starten.
Beim Musik hören können via Siri wahlweise Titel aus der Mediathek aufgerufen werden oder sofern in einem Kurzbefehl festgelegt, auch Radiosender der voreingestellten Wahl. Und so wie bei Headsets üblich, kann mit Tippgesten zum nächsten bzw. zum vorangehenden Stück gesprungen und mit Wischgesten die Lautstärke verändert werden. Der Klang ist nicht schlecht, aber kommt nicht an die hervorragende Klangqualität der Ray-Ban Brillen heran, insbesondere was die tiefen Töne anbelangt. Auch die maximale Lautstärke ist etwas geringer als bei den Ray-Ban Brillen.
Sehr komfortabel ist, dass die Aufnahmetaste und die Tippgesten nach persönlichem Vorlieben mit ausgewählten Funktionen belegt werden können. So habe ich sie für mich so programmiert, dass ich mit einer langen 1-Fingerberührung des Touchpads Siri aufrufe und mit einer langen 2-Finger-Berührung den Auftragerteile: » Beschreibe mir, was du siehst». Und mit einem langen Drücken der Kamerataste starte ich die Audioaufnahme und mit einem kurzen Drücken wird sie wieder gestoppt.
Noch komfortabler ist die Annahme eines Telefonanrufs. Ich brauche dazu nur mit dem Kopf zu nicken und schon steht die Verbindung. Will ich den Anruf nicht entgegen nehmen, dann reicht ein Kopfschütteln und der Anruf ist abgelehnt.
Als eher unangenehm empfand ich die voreingestellte weibliche Stimme. Doch erfreulicherweise kann man eine männliche Stimme auswählen, die angenehm, klar und verständlich klingt. Die Sprachsynthese hat jedoch einen kleinen, aber störenden Mangel: Sie spricht im deutschen Text das Wort «im» manchmal auf englisch aus, also als «I am». Ich habe diesen Bug gemeldet und die Rückmeldung erhalten, dass sdieses Problem baldmöglichst angegangen wird.
Die App zur Nutzung der Brille – sie heisst übrigens «Hi Rokid» ist soweit mit VoiceOver gut bedienbar. Hingegen ist der Installationsprozess der Brille nicht barrierefrei, denn es muss ein Code eingegeben werden, was nur ohne VoiceOver möglich ist, ebenso wie die Auswahl der einzurichtenden Brille. Auch ertönt bei der Steuerung der Brille bei gewissen Befehlen eine englische oder chinesische Meldung. Und auch bei der Tastenbeschriftung gibt es einen Stolperstein: Die Einstellungstaste ist mit «Aufsuchen» gekennzeichnet. Aber trotz dieser Mängel hatte ich bei der Konfiguration und bei der Nutzung der Brille keine speziellen Probleme oder Einschränkungen.
Doch nun möchtest du bestimmt endlich wissen, wie diese Brille sich in der Praxis bewährt. Ich habe zu diesem Zweck einige Anwendungsbeispiele aufgezeichnet und im nachstehenden Kapitel kannst du hören, wie das tönt.
3. Audiobeispiele von einigen Anwendungen
Hinweis: Die nachfolgenden Tests habe ich allesamt nur mit der Brille durchgeführt. Das iPhone blieb dabei stets in der Tasche.
a) Klangbeispiele der beiden KI-Stimmen
b) Texte vorlesen
c) Bilder und Szenen beschreiben
d) Produkte erkennen
e) Farben und Muster erkennen
f) Bedienelemente erklären
g) Rezept abfragen
h) Termine eintragen und abfragen
i) Eine Erinnerung in Auftrag geben
jEine Whatsappnachricht versenden
k) Musik auswählen und abspielen
l) Eine Tonaufnahme machen und abspielen
m) Navigieren mit Google Maps
n) Und mit der Karten App nach Hause
o) Den Eingang anzeigen
p) Auf dem Klingelbrett einen Namen suchen
4. Mein persönliches Fazit
Ich nutze die Brille nun während gut zwei Wochen und ich nutze sie sozusagen den ganzen Tag. Die Nasenpads habe ich entfernt, da sie mir so besser sitzt. Mit der Energieversorgung hatte ich bislang nie Probleme. Sogar mit der Ladekapsel trägt sich die Brille noch recht bequem. Was ich schätze, ist die einfache Art, eingehende Telefone anzunehmen. Auch dass ich mit Siri meine Lieblingsmusik oder Lieblingsradiosender aufrufen kann, gefällt mir. Die Beschreibung der Bilder und Szenen finde ich in Ordnung. Und das Vorlesen klingt erstaunlich natürlich und angenehm, wenn man vom Aussprachefehler des Wörtchens «im». mal absieht. Zumindest im Chatverlauf in der App sind die Texte korrekt wiedergegeben und können von dort geteilt werden.
Die Tasten meiner Kaffeemaschine hat bislang keine andere Brille so gut beschrieben, wie die Rokid. Und über die Möglichkeit, mit einem einzigen Tastendruck eine Audioaufnahme zu starten, war ich schon einige Male froh, insbesondere um eine kurze Notiz abzuspeichern. Dass die Reaktionszeit mit der Rokid Brille etwas länger geht als bei der Meta Brille, hat mich bislang nicht sonderlich gestört. Beim kontinuierlichen Gespräch mit der KI muss ich mich jedoch daran gewöhnen, dass ich erst zu sprechen beginne, nachdem der entsprechende Signalton ertönt ist.
Trotz der zweifellos vorhandenen positiven Punkte bleibt meine Brille für ausser Hauses vorderhand diejenige von Meta, zumindest wenn ich allein unterwegs bin. Denn auf die Möglichkeit der Teleassistenz, das heisst, dass ich im Notfall jemanden anrufen kann, der oder die dann durch die Kamera meiner Brille schauen und mir weiter helfen kann, möchte ich nicht verzichten. Und weiterhin mit Interesse verfolge ich natürlich, wie es mit der Live-View weiter geht, die wie sie zur Zeit von Oorion auf der Meta Brille angeboten wird.
Aus diesen Gründen bleibt die Rokid Brille für mich vorderhand die zweite Wahl, doch in Anbetracht des bezahlten Preises von € 329 erscheint sie mir dennoch ein preiswertes valables Hilfsmittel, insbesondere für Leute, die nicht auf die Teleassistenz angewiesen sind. Und da bleibt ja auch noch die Rokid Brille mit den beiden Displays. Aktuell wird sie von sehbehinderten Personen der Apfelschule getestet. Für blinde Personen bringt diese zwar keinen Zusatznutzen, doch diejenigen Leute , welche sich noch eines gewissen Sehvermögens erfreuen, könnten evtl. davon profitieren und dürfen gespannt sein auf den demnächst folgenden Testbericht.
5. Hinweise zu Kauf und Unterstützung
Die Rokid AI Glasses Neo sind ein neues Modell und aktuell (24.6.2026) habe ich keinen Schweizer Shop gefunden, der sie listet. Ich habe sie online bei De.Rokid.com bestellt. Du findest dort auch nähere Angaben zum Produkt. Der Preis betrug €329.- und der Bestell- und Auslieferungsprozess lief problemlos.
Falls Interesse besteht, erstelle ich für die Installation und Bedienung gerne eine Schritt für Schritt Anleitung. Melde dich bitte mittels untenstehendem Kommentarfeld. Für individuelle Auskünfte kannst du dich gerne an die Apfelschule.ch wenden.
6. Ray-Ban Meta und Rokid im Vergleich
Wenn du die Leistung der beiden Brillen gerne vergleichen möchtest, findest du unter nachstehendem Link die Testaufnahmen mit der Meta Brille. Die Aufgabenstellungen sind in etwa vergleichbar.
Anwendungsbeispiele für die KI Brillen von Meeta

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