Roboterhunde und KI-Brillen als Navigationshilfen

Die Technologien, welche das autonome Fahren ermöglichen, bergen auch ein grosses Potential für die Unterstützung der Mobilität blinder Menschen. Und in der Tat tut sich diesbezüglich bereits einiges.

1. Der Robodog-Test an der ETH

Von Ende Januar bis Anfang Februar führte die ETH Zürich einen Testversuch mit einem robotischen Blindenführhund durch. Dabei wurde ein Testroboterhund mit Sensorfusion und autonomen Navigationsalgorithmen ausgerüstet. Diese Technik soll es dem 4-beinigen Roboter ermöglichen, sehbehinderte Personen in unbekannten Umgebungen von einem Ort zum anderen zu führen und dabei eine Kollision mit Hindernissen in Echtzeit sicher zu vermeiden. Der Test wurde im speziell kartographierten Innenbereich der ETH durchgeführt.
Am Versuch haben 20 blinde und sehbehinderte Personen unterschiedlichen Alters und Geschlechts teil genommen.

Spontanen Rückmeldungen aus Kreisen der Testpersonen   zufolge, stiess der kleine Roboterhund auf Sympathie, ja Begeisterung und er habe die gestellten Aufgaben gut gelöst. Einige meinten, sie hätten den kleinen Roboter am liebsten mit nach Hause genommen.

Die Tests werden nun wissenschaftlich ausgewertet. Eine öffentliche Publikation kann jedoch erst erfolgen, nachdem ein wissenschaftliches Gutachtensverfahren (Peer Review) durchlaufen worden ist Und dieses kann je nach Verlauf länger als ein Jahr dauern

Gemäss Ausführungen eines Projektverantwortlichen stellt diese Studie einen  wissenschaftlichen Meilenstein dar. Ob und in welcher Form darauf aufbauend weitere Forschung oder Entwicklungen erfolgen, werde sich jedoch erst nach Abschluss und Einordnung der Ergebnisse zeigen.

Mein persönliches Fazit:

Ich hatte ebenfalls Gelegenheit, den Robodog zu testen und ich war von seiner Leistung begeistert. Ich hatte mich sehr sicher gefühlt und es war angenehm, dem kleinen Robodog zu folgen. ich empfand die Entwicklung als genial. Und natürlich hoffte ich, dass nun zügig an der Weiterentwicklung gearbeitet wird und bald einmal ein solcher Roboter auch für den Aussenbereich zur Verfügung steht. Doch das scheint leider nicht so rasch der Fall zu sein. Es wäre doch toll, wenn die ETH als führende Technologie-Forschungs und Entwicklungsstätte in Zusammenarbeit mit einem Startup den ersten tauglichen Roboterführhund in der westlichen Welt auf den Markt bringen könnte und das Feld nicht den Chinesen oder Amerikanern überlassen würde. Ich denke, so viel Patriotismus darf erlaubt sein!

Das Bild zeigt den Robodog in Aktion
Légende: Bildquelle: Webseite der ETH Zürich

2. Die smarte Brille von .LUNA

An der CES 2026 – das ist eine jährlich stattfindende Messe, an welcherFirmen und Startups ihre neusten Entwicklungen und Projekte präsentieren – hat das rumänische Startup .LUNA eine intelligente Brille vorgestellt, welche in der Lage ist, Hindernisse in Echtzeit zu erkennen und deren Position mittels  haptischem Feedbacks auf der Stirne der Nutzenden anzuzeigen. Dies soll es ermöglichen, Hindernissen rechtzeitig auszuweichen. Ergänzt wird das System durch 3D-Audiohinweise, welche Objekte und Orientierungspunkte räumlich präzise anzeigen.  Dank kontinuierlicher Umgebungsanalyse (mehr als 100 Bilder pro Sekunde) soll das Gerät in der Lage sein, wichtige Informationen in Echtzeit zu «erkennen» und den Nutzenden darauf basierend hilfreiche Anleitungen zu geben. Das Gerät Funktioniert ohne Zusatzgerät oder externe Datenverbindung.

Die Kehrseite der Medaille ist, dass all diese Funktionen natürlich nicht in einer eleganten leichten Sonnenbrille untergebracht werden können, wie sie etwa die Ray-Ban Brillen sind. Die Brille von .LUNA sieht eher aus wie eine grosse VR-Brille, die Augen und Stirne bedeckt  und sie ist mit rund 800 Gramm auch gewichtwmässig recht schwer. Das dürfte wohl einen nicht geringen Einfluss auf die Akzeptanz haben. Und da vorgesehen ist, sie als «Medizinisches Hilfsmittel» anzumelden, muss wohl damit gerechnet werden, dass auch der Preis in einer anderen Liga spielen wird.

Quelle: Imtest

Eine Person trägt die KI-Brille von .LUNA

3. Das Projekt Helpfix

Die Idee, Robotik für die Verbesserung der Orientierung und Mobilität blinder und erheblich sehbehinderter Menschen einzusetzen, beschäftigt offensichtlich auch Studierende an andern Hochschulen. So hat Retina View aus Berlin aus Anlass des internationalen Tags des Führhundes am 29. Januar einen Podcast veröffentlicht, in welchem das Projekt «Helpfix» vorgestellt wird. Dabei geht es ebenfalls um einen Roboter, der sehbehinderten Menschen das Zurechtfinden auf einem Universitätskampus erleichtern soll. Nachstehend der Link zu diesem Beitrag:

Retina View: Podcast zum Helpfix

4. Weitere Lösungsansätze

Einen Schritt weiter sind sie schon in China. Dort hat die Firma Xiaomi einen 4-beinigen Robotter-Hund bereits in zweiter Generation heraus gebracht. Er sieht aus wie ein Dobermann, wiegt 8,9 Kilo und ist mit 19 Sensoren ausgerüstet. In China ist er für rund 1600 Franken zu kaufen, doch voreerst ist er nur in und für China erhältlich. Eine andere chinesische Firma hat einen 6-beinigen «Führhund» entwickelt. Aus meiner Sicht wäre das dann aber eher ein Führkäfer!

Auch im Vereinigten Königreich (UK) und in den USA beschäftigen sich mehrere Universitäten mit dem Thema. Zumeist ist das Wirkungsfeld dieser Roboter auf ein speziell kartographiertes Gebiet, zum Beispiel ein Hochschulcampus, begrenzt.

Es bleibt zu hoffen, dass aus den verschiedenen Forschungsansätzen bald einmal ein taugliches auf dem Markt erhältliches Produkt hervor geht. Wir von der Apfelschule werden die Entwicklung aufmerksam verfolgen und dich, lieber Leser, liebe Leserin zeitnah über die neusten Entwicklungen informieren.