Brillen mit eingebauter Kamera und künstlicher Intelligenz haben für blinde und sehbehinderte Menschen einen grossen Nutzen.
Die aktuellen Diskussionen rund um Brillen mit eingebauter künstlicher Intelligenz sind stark vom Datenschutz und Missbrauch geprägt. So viel sei schon mal klar gesagt: Die Apfelschule ist klar gegen jeglichen Missbrauch mittels dieser KI Brillen und unterstützt die Einhaltung des Datenschutzes.
Solche Brillen wie z.B. die Ray-Ban Meta, Oakley Meta oder Rokid haben aber auch ein grosses Potential und bringen viele Vorteile für blinde und sehbehinderte Menschen. Und um diese Aspekte bei der Nutzung von KI Brillen soll es in diesem Artikel gehen.
Verunsicherung
Gerade wenn jemand sehr schlecht sieht oder frisch erblindet, ist der Einsatz des weissen Stockes unumgänglich. Es kommt durchaus vor, dass jemand möglichst lange auf den Einsatz des weissen Stocks verzichtet, weil er oder sie um die negativen Reaktionen fürchtet. Dabei ist dies so ein wertvolles Hilfsmittel. Durch die kritischen und einseitigen Medienberichte bezüglich der Brillen mit eingebauter Kamera und künstlicher Intelligenz, ist zu befürchten, dass blinde und sehbehinderte Menschen mit kritischen Reaktionen konfrontiert werden. Dies verunsichert betroffene Personen und sie lassen die KI Brille womöglich lieber zu Hause. Dadurch wird ein dezentes Hilfsmittel, welches zu mehr Selbständigkeit und Selbstbestimmtheit verhelfen kann, unwirksam.
Das Sehen ersetzen
Was gut sehende Menschen mit ihren Augen sehen, das beschreibt die in der Brille eingebaute künstliche Intelligenz sehbehinderten und blinden Menschen. Die Umwelt erhält dadurch eine zusätzliche Dimension: Sie wird konkreter und bunter.
Relevantes Vorlesen
Wer gut sieht, dem ist es wohl kaum bewusst, wie häufig man im Alltagsleben darauf angewiesen ist, mit einem kurzen Blick etwas zu erkennen oder einzuordnen: Ein Produkt erkennen, eine Anleitung lesen, die eingehende Post sortieren, die Schlagzeilen der Zeitung überfliegen, einen Merkzettel lesen usw. Mit einer Brille mit eingebauter künstlicher Intelligenz ist dies auch für blinde und sehbehinderte Menschen möglich.
Kontrollfunktionen
Auch der rasche Kontrollblick – man ist sich dessen nicht bewusst, aber auch er ist im Alltag sehr häufig erforderlich: Ist die Kaffeemaschine eingeschaltet? Welche Taste ist für Espresso? Wie lange dauert der Waschvorgang noch? Ist der Backofen richtig eingestellt? Ist das Ablaufdatum noch nicht überschritten? Ist der Pullover frei von Flecken? Für blinde und sehbehinderte Menschen sind solche schnellen Kontrollblicke nicht möglich, eine KI Brille kann dabei sehr hilfreich sein.
Gegenstände finden
Wo habe ich meine Schlüssel hingelegt? Wo ist mein iPhone? Wo liegen meine heruntergefallenen Kopfhörer? Für sehende Personen stellt dies keine Herausforderung dar. Für Personen, welche aber nichts oder sehr wenig sehen, heisst dies oft, mühsames und langes Suchen oder sogar am Boden rumkriechen und hoffen, den verlorenen Gegenstand wieder zu finden. Mit einer KI Brille geht dies einfacher und rascher.
Orientierung draussen
Der Traum vieler blinden und sehbehinderter Menschen wäre es, dass uns die KI auf all unseren Wegen sicher ans Ziel begleitet. Davon sind wir noch ein Stück entfernt. Aber bereits heute leistet uns die KI Brille sehr wertvolle Dienste: Ist der Weg vor mir frei? Warne mich, wenn ein Hindernis in meinem Weg steht. Führe mich zur Fussgängerunterführung! Welcher Bus ist soeben eingefahren? Sage mir, wenn ich bei der Hausnummer 17 angelangt bin. Suche auf dem Klingelbrett nach B. Meier usw.
Die Teleassistenz – der unsichtbare Begleiter
Am effizientesten ist es natürlich, wenn blinde und sehbehinderte Personen bei Bedarf nach einem sehenden Auge auf eine reelle Person zurückgreifen können. Die ist jedoch nicht immer verfügbar, zumindest wenn die physische Anwesenheit gemeint ist. Zum Glück gibt es die Möglichkeit der Teleassistenz. Dabei schaut eine mittels Videotelefonie verbundene Person durch die Kamera der Brille und sieht auf diese Weise das, was eine betroffene Person nicht sehen kann, und auf diese Weise kann sie die benötigte Hilfeleistung erbringen. Es gibt zu diesem Zweck einen speziellen Dienst, Be My Eyes genannt. Ein Netz von weltweit rund 10 Millionen registrierten Personen ist bereit, sehbehinderten und blinden Personen auf diese Art beizustehen. Und ein Algorhythmus wählt bei einem Anruf die nächstgelegene freie Person aus. Das ist ein super Service. Und sollte dieser einmal ausnahmsweise nicht funktionieren, dann gibt es auch noch die Möglichkeit, jemandem aus dem Bekanntenkreis mit Videotelefonie anzurufen.
Die Hände bleiben frei
Zugegeben, die obgenannten Funktionen lassen sich grundsätzlich auch mit einem Smartphone ausführen. Der grosse Vorteil der KI Brille liegt aber darin, dass die Hände dabei frei bleiben. Und diese sind für blinde und sehbehinderte Personen besonders wichtig, denn sie «sehen» ja bekanntlich mit den Händen und brauchen diese fürs Ertasten. Und draussen ist die eine Hand ohnehin bereits durch die Handhabung des weissen Stocks besetzt. Und drinnen können blinde und sehbehinderte Menschen das, was sie «anschauen» wollen, mit beiden Händen halten.
Erschwingliches Hilfsmittel
Da die KI Brillen nicht speziell für Personen mit eingeschränktem Sehvermögen, sondern für den Mainstream entwickelt worden sind, sind sie gegenüber üblichen Hilfsmitteln sehr preiswert. Wären sie speziell für sehbehinderte Personen entwickelt worden, würden sie ein Vielfaches kosten. So gesehen sind KI Brillen für blinde und sehbehinderte Menschen ein erschwingliches und inklusives Produkt, was die Selbständigkeit und Selbstbestimmtheit fördert.
Missbrauch und Datenschutz
Die Apfelschule ist entschieden gegen den Missbrauch mittels Brillen mit eingebauter Kamera und künstlicher Intelligenz. Es geht nicht, dass Personen andere Personen filmen, wenn dies nicht erlaubt ist. Dies soll und muss bestraft werden. Der Datenschutz muss in jedem Fall eingehalten werden.
Es ist aber nicht nötig, eine ganze Technologie zu verbieten, weil eine Minderheit diese Technologie missbraucht. Denn der Missbrauch geschieht immer vom Nutzenden und nicht vom Produkt resp. der Technologie. Durch ein Verbot würde die Entwicklung eingeschränkt und hemmt die Möglichkeiten von blinden und sehbehinderten Menschen selbständiger und selbstbestimmter zu leben. Ein Verbot wäre gar eine Diskriminierung blinder und sehbehinderter Menschen, da eine KI Brille ein äusserst wertvolles Hilfsmittel für betroffene Menschen ist.
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Link zum Beitrag «Der andere Blick durch die KI Brille» (PDF / 78 KB)

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